Der "Dorfroman"

Vor 20 Jahren habe ich mich in dem Roman "Stadt Land Fluß" schon einmal mit dem Dorf am Niederrhein beschäftigt, in dem ich aufgewachsen bin. Was ich damals weggelassen habe, war, dass in eben diesem Dorf, nahe Kalkar, während der 1970er und 80er Jahre ein Kernkraftwerk gebaut wurde, das "der Schnelle Brüter" hieß und einige der größten Anti-Atomkraft-Demonstrationen der alten Bundesrepublik unmittelbar vor unserer Haustür vorbeiführte. Mein Vater war während meiner gesamten Kindheit auf Seiten der AKW-Befürworter engagiert, was einer der Gründe für heftige pubertäre Auseinandersetzungen und meine eigene politische Emanzipation wurde. Das Dorf ist durch diesen Konflikt zerrissen worden,  Freundschaften zerbrachen, Nachbarn redeten jahrzentelang nicht miteinander. Gleichzeitig lösten sich die landwirtschaftlichen Strukturen und strikten kirchlichen Bindungen mehr und mehr auf. Der Schnelle Brüter ging nie ans Netz und beherbergt heute einen Freizeitpark mit dem schönen Namen "Kernwasserwunderland". Meine alten Eltern sind inzwischen froh, dass kein Atomkraftwerk in ihrem Dorf steht. Von all dem erzählt der Roman.

 

 

Hier gibt es einen schönen Beitrag über den "Dorfroman" für das Magazin Druckfrisch, den ich mit Denis Scheck im ehemaligen Freundschaftshaus, direkt gegenüber dem Schnellen Brüter/Kernwasserwunderland aufgenommen habe.

Teeschalenzeichnen

 

Ich habe immer gezeichnet während der vergangenen dreißig Jahre, doch seit einiger Zeit wusste ich nicht mehr recht, was daraus werden soll.

 

Wie schon vor fünfzehn Jahren, als mir das Schreiben plötzlich ganz leer vorkam und eine alte Chawan mich in "Mitsukos Restaurant" geführt hat, sind es auch jetzt wieder die japanischen Teeschalen, die mir zeigen, wohin es gehen könnte.