Wieder Schiffe.

Je weniger Tage mir hier bleiben, desto mehr Stunden verbringe ich auf den Schiffen, fahre jetzt sinnlose Umwege über Asien, nur um länger auf dem Wasser zu sein, breche Museumsbesuche und Stadtstreifzüge ab, weil ich das letzte Boot Richtung Tarabya nicht verpassen will, obwohl die Metro noch sechs Stunden bis Mitternacht für die selbe Strecke die Hälfte der Zeit benötigen würde. Bald werde ich mir die Orte, die ich besuche, nur noch nach der Möglichkeit, sie mit dem Schiff anzusteuern, auswählen. Mittlerweile frage ich mich sogar morgens bei der Arbeit, wenn ich all die Tanker, Frachter, Kreuzfahrer an meinem Fenster vorbeiziehen sehe, weshalb ich, als es die Zeit für solche Entscheidungen war, nie darüber nachgedacht habe, Hochseekapitän oder wenigstens Flussschiffer zu werden. Zumindest Letzteres hätte nahe gelegen. Ich weiß aber auch, dass die Angewohnheit, sich als ein anderer in einer anderen Biographie zu sehen, eine Art Berufskrankheit ist. Während ich das schreibe, ruft draußen seit einer halben Stunde und die zweite Nacht infolge sehr laut eine Eule. Wäre ich am Niederrhein, würde ich mir jetzt Sorgen machen, denn dort kündigt sie den Tod an.

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